Leseprobe

Nachher

Sessel

»Junge, was ist nur aus dir geworden?«

»Was?«

»Du hast mich schon richtig verstanden.«

Da saß er ungebeten, dieser große, stattliche Mann in seinem grauen Dreiteiler in Romans Lieblingssessel, nein, er thronte vielmehr. Roman ertrug ihn kaum.

»Ich versuch zu überleben.«

»Zu überleben? Mensch, Junge, reiß dich am Riemen! Du machst es dir viel zu einfach, lässt dich gehen, wenn es mal schwierig wird. Menschen in Afrika versuchen zu überleben, die haben wirklich Probleme, aber du? Das geht so nicht. Das lass ich nicht zu! Irgendwer muss dich doch mal wachrütteln, dir …«

»Lass gut sein, Papa.«

»Ne, ne, Junge, wenn du keine Verantwortung für dich übernimmst, muss ich das eben tun. Mal wieder. Letztlich bleibt ja immer alles an mir hängen. Immer muss …«

Roman hörte nicht mehr zu. Er beobachtete die Lichtstrahlen, die durch die Lamellen ein Rechteck aus Licht und Schatten auf den Parkettboden warfen. Staub tanzte. Mitten drin saß sein Vater. Licht und Schatten fielen auch auf sein feines, italienisches Schuhwerk. Das Braun entsprach beinahe dem des Sessels aus den 20iger-Jahren, in den sein Vater sich gesetzt hatte. Alles behandelte er, als wenn es ihm gehörte. Seit jeher.

»Du sitzt hier nachmittags verlottert im Morgenmantel herum und …«

Romans Kopfschmerz wuchs. Schatten der Nacht. Zu viel. Zu viel von allem.

»Warum ist das Schlafzimmer eigentlich abgeschlossen?«

»Was?«

»Ich habe mir vorhin eure, nun ja, ich muss jetzt wohl sagen deine Wohnung angesehen. Die ist in kurzer Zeit so was von runtergekommen. Also, warum ist das Schlafzimmer abgeschlossen, was ist aus den übrigen Möbeln geworden?«

»Ich brauchte sie nicht mehr.«

»Was heißt das, Junge?«

»Ich brauchte sie eben nicht mehr.«

»Willst du deinen alten Herrn verarschen?«

»Nein.«

»Also?«

»Ich hab’ sie verschenkt oder entsorgt, wenn du es genau wissen willst. Ich konnte sie nicht mehr sehen, ebenso wenig wie das Schlafzimmer. Und ja, deswegen liegt die Matratze hier im Wohnzimmer. Ich schlafe hier. Noch Fragen? Bist du jetzt zufrieden?«

»Jetzt werd’ bloß nicht frech. Ich mach mir nur Sorgen. Du gehst nicht ans Telefon, hältst Verabredungen mit deiner Mutter nicht ein und …«

Roman schaltete wieder ab. Er sah seinen Vater an, sah, wie sich sein Mund bewegte, seinen erhobenen Zeigefinger. Sein Vater wirkte gealtert, gezeichnet. Er hatte sich gut gehalten, keine Frage, zog sich immer noch tadellos an. Aber sein Gesicht. Die Farbe sah ungesund aus, die Züge waren verbittert. Der Glanz in seinen Augen war erloschen. Die herrische Stimme aber war die alte. Irgendetwas musste mit seinem Vater passiert sein, wahrscheinlich ein schleichender Prozess. Hatte Roman ihn verpasst? Oder sah er nur sich selbst in seinem Vater?

»… hast du nicht nur im Studium versagt. Was soll bloß …«

»Lass das endlich mal, Papa!« Roman biss sich auf die Unterlippe.

»Junge, du …«

 

Vorher

 

Abmachung

»Warum sitzen wir eigentlich immer in dieser verdammten Kneipe?«, fragte Till in die Runde.

»Was hast Du denn auf einmal dagegen?«, fragte Samuel gelangweilt.

»Na, es gibt doch nettere Kneipen und Bars!« Till hatte keine Antwort erwartet. Er war überrascht. Seit Jahren saß er mit seinen Freunden in der Eckkneipe ›Helle Hölle‹. Es war Tradition.

»Ist sich der Herr für den Wedding, das Arbeiterviertel, aus dem er im Übrigen selbst stammt, zu fein geworden?« Samuel sah Till herausfordernd an und zog dabei eine Augenbraue hoch.

»Ja, ja, ich weiß schon, wohin das jetzt schon wieder führen soll. Vergiss es. Ich finde es hier ja auch immer noch irgendwie gut, aber Leute, es hat sich wirklich nichts verändert.«

»Muss es das denn? Es ist doch schön, wenn es Konstanten im Leben gibt.«, warf Thoren ein.

»Konstanten? Halbtote, verkrüppelte Pflanzen und speckige Gardinen vor milchigen Fensterscheiben, ein verschlissener Billardtisch, dreckige Sitzkisten, schmutzige Tische und verstopfte Klos. Das sind ja tolle Konstanten. Als wir 16 waren, mag das noch in Ordnung gewesen sein, aber Leute, wir sind jetzt erwachsene Männer!« Till redete sich in Rage.

»Und immer noch Stammgäste am Stammtisch, na und? Es ist gut, wenn sich nicht alles verändert.« Bernd sprach leise und nachdrücklich.

»Jetzt reicht es! Seid ihr bald fertig mit eurem Weibergewäsch? Roman, Ende aller Lebensformen mit drei Buchstaben, außer Tod, was ist das?«, fragte Benjamin spöttisch.

»Keine Ahnung.« Roman ruckte auf dem Stuhl hin und her.

»Denk nach!«

»Warum fragst du mich?«

»Wen denn sonst, nun mach schon.«

»Ich mag so einen Scheiß nicht, frag Thoren, der liebt Rätsel.«

»Ich hab aber dich gefragt.«

»Lass es!«

»Zick nicht, die Antwort liegt jawohl auf der Hand.« Dabei prostete Benjamin gönnerhaft in die Runde. Die einsetzende Gesprächspause nutzte Roman und bestellte die nächste Runde, reckte sechs Finger nach oben. Der Wirt nickte. Zapfte. Beliebte Taktik von Roman. Ablenkung. Es funktionierte. Wieder einmal. Sechs halbe. Sechs Jägermeister. Benjamin kam auf die Frage nicht mehr zurück. Auch sonst keiner. Roman dachte über die Frage nach. Was wollte sein Freund ihm sagen? Egal.

»So, Roman, nun geh mal rüber zum Spielautomaten und wirf ein paar Münzen ein.«, sagte Benjamin auf eine Art, die keinen Widerspruch zuließ.

»Wieso?«

»Roman!«

»Ist ja gut, ich gehe ja schon.«

Roman ging zu den beiden Geldspielautoamten neben der Eingangstür, zog sich einen Hocker von der Bar heran und warf ein paar Münzen ein. Lustlos spielte er, sah immer wieder zum Stammtisch rüber. Seine Freunde redeten und tranken. Hauptsächlich Benjamin und Thoren. Endlich winkte ihn Benjamin zum Tisch zurück. Seine Freunde sahen sich an, Freude zeichnete sich in ihren Gesichtern ab. Roman war nervös. Nacheinander blickte er Thoren, Benjamin, Samuel, Till und Bernd an. Keiner ließ sich locken. Roman wartete. Sie mussten sich einig geworden sein. Er verlor die Nerven.

»Und?«, fragte Roman.

»Freitag um halb neun, mehr musst du nicht wissen!«, war alles, was Benjamin antwortete. Wieder Stille.

»Also gut, ich freue mich.« Roman hatte auf mehr Informationen gehofft.

»Ich finde es klasse, dass ihr das für mich tut. Ich möchte mich vorher aber klipp und klar ausdrücken! Es ist …«

»Hört, hört!«, unterbrach ihn Samuel.«

»Also, bitte keine Peinlichkeiten, Schweinereien, Überraschungen, einfach nur wegfahren, das übliche Programm, saufen, blöd quatschen, das war es, wie gehabt! Herrenwochenende.« Roman versuchte, ernst auszusehen.

»So, so.«, hörte Roman jemanden nuscheln. Bernd? Niemand schien von Romans Worten beeindruckt. Gerade er war ein Fan ihrer Männerrituale. Dieses Mal stand aber er im Mittelpunkt und war nicht in die Details der Reise eingeweiht. Roman war unwohl. Sie kannten sich seit dem Gymnasium, hatten auf dem Schulhof Fußball gespielt, geklaut, die erste, große Liebe überlebt, zusammen Abitur gemacht, Spielabende eingeführt, sich nie aus den Augen verloren. Seid mehr als 20 Jahren.

»Bleib locker, Alter.«, Samuel grinste und nahm einen tiefen Schluck aus dem Bierglas. Seine Freunde wussten, dass Roman alles andere als locker war. Roman kaute auf der Unterlippe, seine Hände schwitzten. Er atmete ein paar Mal durch. Der Abend ging weiter. Die Freunde trennten sich spät.

Zuhause wurde Roman erwartet. In den Arm genommen. Das war schön.

5. Juni, 7.32 Uhr - Roman

U2. Dunkle Tunnelwände, Bahnhöfe, Häuser, Straßen, Autos, Menschen, Postkartenmotive und Erinnerungsfetzen an eine versiffte Hinterhausparty in der Potsdamer Straße, Händchenhalten in einem Cafe am Nollendorfplatz flogen vorbei.

Der Penner hatte gestunken, penetrant nach altem, kaltem Schweiß, und sich auf dem Bahnsteig der Rosa-Luxemburg-Straße ausgerechnet neben Roman gesetzt. Ihm war übel geworden. Er hatte nicht aufstehen können. Wie hätte das ausgesehen? Also war er neben dem Penner , seinen Krücken und Plastiktüten sitzen geblieben. Der Geruch hatte sich in Romans Nase gefressen, sich dort festgesetzt. Roman war erst spät eingestiegen, um bis zuletzt einen anderen Waggon nehmen zu können. Zum Glück war der Mann sitzen geblieben.

Der Waggon war fast leer, beim Anfahren rollte eine Bierflasche über den Boden, verschwand unter einem Sitz. Seinen Seesack stellte Roman auf den Sitz neben ihm.

Die U2 war die älteste und langsamste aller Linien. Die Waggons ruckelten und quietschten auf ihrer unter- und oberirdischen Strecke. Auf dem Sitz gegenüber lag eine verschmutzte ›Zitty‹. Kaum Fahrgäste, auch am Alexanderplatz nicht. Roman fasste sich an seine linke Gesäßtasche und fühlte die Konturen des Fahrscheins. Hatte er ihn abgestempelt? Ihm wurde heiß. Hektisch kramte er das kleine Stück Papier hervor, betrachtete den leicht verwischten Fahrstempel vom Rosa-Luxemburg-Platz, ärgerte sich darüber, wie unentspannt er war.

Seine Gedanken streiften Beate. Vorm Gehen hatte er sich auf den Rand des Futtonbetts gesetzt, Beate still beobachtet und dabei mit den Fingern an der dunkelroten Bettwäsche gespielt.

Wie schön sie war im Schlaf. Er liebte sie. Nach einem sanften Kuss auf die Stirn hatte er die gemeinsame Wohnung im Prenzlauer Berg verlassen und sich auf den Weg zum U-Bahnhof gemacht.

»Zoologischer Garten. Bitte einsteigen!«, es piepte, die roten Signallampen über den Türen blinkten. Roman musste hier umsteigen. Er sprang auf, packte seinen Seesack und drückte sich durch die schließenden Türen hindurch, die mit einem Knall hinter ihm zuschnappten. Die U9 Richtung Osloer Straße war wesentlich voller. Roman blieb stehen, schulterte den Seesack. Der Boden war klebrig. Es roch nach Döner. Der Mann hinter ihm. Döner am Morgen. Ein Blick zur Uhr. Alles gut. Wohin die Reise wohl geht? Seine Freunde hatten bis zuletzt dicht gehalten. Wieder ein Gedanke an Beate. Sie hatte ihn am Vorabend regelrecht verführt. Schlaues Biest. Er lächelte.

Leopoldplatz. Roman stieg aus. Zu Samuels Wohnung war es nicht weit. Die Freunde wollten sich unten auf der Straße treffen. Der Wedding veränderte sich. Fachgeschäfte wichen, Ein-Euro-Läden, Billigdiscounter und Spielotheken hielten Einzug. Auch die Hundehaufen nahmen zu. Kurz darauf war er da. Samuel wohnte im fünften Stock eines gelben Altbaumietshauses, ohne Fahrstuhl.

Seine Freunde waren schon da. Benjamin fuhr gerade vor. Umarmungen. Floskeln. Herzliche Begrüßung.

»Das Bier reicht nie und nimmer. Ein Kasten! Auf einem Bein kann man nicht stehen. Wir brauchen mindestens vier Kästen. Welche Schwuchteln waren dafür zuständig?«, fragte Bernd in die Runde.

Keine Reaktion.

»Noch mal, wer war für den Biereinkauf eingeteilt?«, fragte Bern scharf.

»Samuel und Thoren, geht doch mit Bernd gegenüber in den Supermarkt und holt zwei Paletten. Die lassen sich besser verstauen.«, sagte Benjamin.

»Auf keinen Fall Büchsen, da mach ich nicht mit!«, ereiferte sich Thoren.

»Is schon gut, Öko, die Leier kennen wir schon. Atme mal durch. Die gibt es ohnehin kaum noch. An Lebensmitteln in Dosen stößt du dich ja auch nicht.«

»Ich meine ja nur.«. Thoren war kaum zu hören.

»Los jetzt, geht schon rüber, macht euren Job.«, brummte Benjamin.

Samuel, Thoren und Bernd verschwanden im gegenüberliegenden Supermarkt.

Roman saß mit einem ›Schultheiß‹ in der Hand auf der Bordsteinkante und sah zu, wie Benjamin und Till die Autos beluden. Heute durfte Roman nicht helfen. Seine Freunde kamen gut gelaunt aus dem Supermarkt. Samuel saß auf dem vollgeladenen Einkaufswagen, Bernd und Thoren schoben. Das Trio meisterte grölend Gehsteig und Bordstein unbeschadet. Das vordere, rechte Rad aber verhakte sich im Weddinger Kopfsteinstraßenpflaster. Der Wagen kam ins Straucheln, kippte in Zeitlupe. Samuel ruderte mit den Armen und knallte mit dem Einkaufswagen aufs Pflaster. Bierdosen kullerten über das Kopfsteinpflaster. Kaum ein Passant hielt inne. Wedding.

»Zum Glück ist dem Bier nichts passiert, keine Verluste, ein Wunder, das Wochenende ist gerettet!«, rief Bernd und begann als Erster, das Chaos auf der Straße zu beseitigen. Ein Autofahrer hupte, ließ das Fenster runter, schimpfte deftig und gestikulierte ärgerlich.

»Ihr asoziales Pack. Macht, dass ihr von der Straße runter kommt. Es gibt nämlich Leute, die arbeiten müssen.«

Roman nahm einen Schluck und half sammeln. Bernd beruhigte den Hupenden. Die Freunde beluden die Autos zu Ende.

»Wer fährt mit wem?«, fragte Till.

»So wie immer - ohne Diskussion«, antwortete Benjamin.

»Los geht es!«, Samuel strahlte.

Benjamin und Till lenkten ihre Autos auf die Autobahn Richtung Norden. Roman freute sich. Ihm war aber auch flau im Magen. Er wusste nicht, was auf ihn zukam.

Er dachte an Beate.

5. Juni, 7.45 Uhr - Beate

Der Platz unter der Decke neben ihr war noch warm. Beates Finger glitten über den Stoff. Roman war erst einige Minuten weg. Sein Geruch hing im Kopfkissen. Sie drückte ihre Nase hinein. Er hatte versucht, leise zu sein, zum Schluss dagestanden, sie angesehen. Sie hatte sich schlafend gestellt. Beate mochte es, wenn Roman sie beobachtete, besonders wenn er sich unbemerkt fühlte und sie sich seinen Blicken, seiner Begierde auslieferte. Roman kam ihr in diesen Momenten ungeniert, ehrlich vor.

Türklingeln. Beate schaute auf den Wecker. Etwas zu früh. Beate schlüpfte in ihren Kimono und öffnete ihrer besten Freundin.

»Guten Morgen, Sabine, schön, dass du es kurzfristig einrichten konntest. Komm bitte rein.«

»Ist doch selbstverständlich! Guten Morgen, mein Schatz. Ich weiß doch, wie man sich fühlt, wenn diese Kerle zusammen wegfahren. Einfach ekelhaft. Ich bin etwas zu früh dran. Schlimm?«

»Nein, nein.«

»Komm lass dich mal drücken. Wann ist Roman weg?«

»Vor einer Viertel Stunde.«

»Wohin fahren sie denn?«

»Ich weiß es nicht.«

»Du weißt es nicht?«

»Roman weiß es selbst nicht.«

»Sagt er.«

»Sagt er.«

»Und du nimmst ihm das ab?«

»Ich vertraue ihm.«

»Den Kerlen ist nie trauen, insbesondere wenn sie eine hirnlose Sauftour machen.«

»Hmh.«

»Na ja, ich will Dich auch nicht mehr als nötig beunruhigen.«

»Zu meiner Beruhigung trägst du jedenfalls nicht bei. Lassen wir das Thema erst einmal. Ich bin einfach froh, dass du da bist und mich ablenkst. Auf Rumgrübeln über Roman und das Wochenende habe ich gar keine Lust. Ich mache uns jetzt Frühstück. Hast Du Lust auf Rühreier?«

»Wie könnte ich nicht. Ich liebe Rührei am Morgen!«

 

»Schmeckt ausgezeichnet, mein Schatz.«

»Danke dir.«

»Wie läuft es eigentlich mit Roman in letzter Zeit?«

»Warum fragst Du immer?«

»Na, darf deine beste Freundin nicht fragen, wie es mit der großen Liebe läuft?«

»Große Liebe.«

»Hallo, hallo, etwa nicht mehr große Liebe?«

»Das meine ich nicht. Ich finde den Begriff einfach blöd. Er baut so viele Erwartungen auf.«

»Recht hast du, die große Liebe gibt es eh nur in Bücher und Filmen oder bei Hirnamputierten. Also wie läuft es mit Roman?«

»Roman ist anders als alle Männer, die ich kennen gelernt habe. Aber ich habe ihn mir ja schließlich selbst ausgesucht.«

»Autsch, das hört sich nicht gut an. Aber wie es läuft, war die Frage.«

»Das kann ich nicht voneinander trennen. Ich weiß gerade auch nicht, was mit mir los ist. Roman hat so viele Facetten, dass er mir manchmal unheimlich ist. Da ist dieser warmherzige, charmante, aufmerksame Mann, der mir die Tür aufhält, aus dem Mantel hilft, den Stuhl zurechtrückt, zuhört, mir das Gefühl gibt, dass alles zwischen uns stimmt und – der mich zum Lachen bringt. So war es schon bei unserem ersten Rendezvous. Aber da ist noch dieser andere Roman.«

»Was meinst du?«

»Ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll. Ich finde nicht die richtigen Worte. Es gibt irgendeinen dunklen Punkt in Roman, an den ich einfach nicht herankomme.«

»Musst du das denn?«

»Ich denke nicht, aber es ist ja nicht so, dass der folgenlos für mich ist. Roman fühlt sich irgendwie von diesem Punkt angezogen. Und doch wehrt er sich gegen ihn. Manchmal sitzt er einfach nur so da und scheint, sich bis ans Ende der Welt zurückzuziehen. Ich finde dann gar keinen Zugang zu ihm.«

»Lass ihn doch einfach. Wir alle haben unsere Macken.«

»Aha, und was machst du, wenn du zum Essen verabredet und schon zu spät dran bist und dein Kerl mit kaltem, düsterem Blick nur so da sitzt und auf deine Fragen nicht antwortet?«

»Das ist scheiße.«

»Hmh - das macht mich dann richtig wütend!«

»Weil der Abend im Arsch ist oder du dich ausgeschlossen fühlst?«

»Beides. Und du wirst es nicht glauben. Gestern Abend saß er doch glatt auf der Bettkante und starrte vor sich hin. Immerhin ist er derjenige, der mit seinen Kumpels heute saufen fährt. Ich habe ihn gefragt, was los sei, und er hat tatsächlich geantwortet. Ich war total perplex.«

»Was hat er denn gesagt?«

»Ich hab kein Wort verstanden. Irgendwas, er sei anders – okay, dass ist ja nichts neues – und käme von weit, weit weg. Er würde die Sprache der Menschen hören, in ihre Gesichter sehen, aber sie nicht verstehen. Er würde zu ihnen sprechen und auch sie würden ihn nicht verstehen. Oder so ähnlich.«

»Vielleicht ist er ja ein Alien.«

»Sabine, verarsch mich jetzt nicht, mir ist das ernst. Ich gehöre dann ja auch zu denen, die ihn nicht verstehen.«

»Entschuldige Süße, ist mir so rausgerutscht.«

»Schon gut.«

»Und dann?«

»Ich wusste gar nicht, was ich sagen soll. Er wirkte so traurig. Ich habe ihn in den Arm genommen und gestreichelt. Mehr ist mir erst mal nicht eingefallen.«

»Ist doch das Beste, was du tun kannst.«

»Wahrscheinlich. Aber ich denke, dass Roman in solchen Momenten nicht so einsam wäre, wenn ich ihn verstehen und mit ihm sprechen könnte. Auf seine Art.«

»Wenn er sich selbst nicht versteht, wie sollst du es dann?«

»Das würde ich auch jedem sagen, aber wenn er dann so verloren vor mir sitzt …«

»Wie ging der Abend zu Ende?«

»Wir haben uns geliebt.«

»Sex ist doch manchmal noch die beste Antwort.«

»Versteh mich nicht falsch. Ich will Roman jetzt auch nicht schlecht machen. Das ist ja auch nur eine Seite von ihm.«

»Liebst du ihn noch?«

»Ja.«

»Liebt er dich?«

»Ja – soweit man das wissen kann.«

»Na, dann ist doch alles in Ordnung. Es sind Männer. Lass ihn manchmal einfach in Ruhe, wenn er um seinen dunklen Punkt kreist. Du bist nicht verantwortlich dafür. Versuch ihn nicht zu retten. Das muss er selbst tun.«

»Weiß ich ja eigentlich, aber trotzdem - danke. Schön, dass du da bist, Sabine.«

»Schon gut. Ich weiß doch. Hirnlose Sauftouren. Einfach ekelhaft.

Autobahn

Roman saß neben Benjamin. Thoren lag hinten auf der schmalen Bank, las in einem Reclam-Heft, blätterte behutsam um. Roman konnte den Titel nicht erkennen. Aus den Boxen dröhnte Kraftwerk. Das Lied, seine Monotonie machten Roman schwermütig. Er schwieg.

»Wir fahr’n, fahr’n, fahr’n auf der Autobahn, fahr’n, fahr’n, fahr’n auf der Autobahn …« Sie passierten das Stadtschild Berlins, befuhren bald den Ring in Richtung Hamburg. Die Brandenburgische Landschaft zog vorbei.

»Kennt ihr den schon? Sagt die eine Frau zur anderen. Hier stinkst nach Fisch! Antwortet die andere. Man wird doch mal Aufstoßen dürfen!«

Roman stieg grundsätzlich auf Benjamins Witze nicht ein, beobachtete Thoren auf der Rückbank aus dem Augenwinkel. Thoren konnte auch dieses Mal nicht widerstehen, steckte sein Lesezeichen in das Heft, richtete sich auf.

»Ben, du weißt doch ganz genau, dass das menschenverachtend und frauenfeindlich ist. Du …«

»Sagt die eine Frau zur anderen. Mensch, mein Mann hat mir Blumen geschenkt, da muss ich heute Abend die Beine breit machen. Fragt die andere, wieso habt ihr keine Vase?«

»Ben, du bist widerlich. Du kannst es einfach nicht lassen. Immer musst du …«

Benjamin zwinkerte Roman zu, drehte die Musik lauter. Es musste die Zwölf-Minuten-Version sein. Thoren war nicht mehr zu verstehen. Roman schüttelte

den Kopf. Seine Freunde.

»Wir fahr’n, fahr’n, fahr’n auf der Autobahn«, hämmerte es durch den Innenraum des Porsche. Thoren redete immer noch. »Respektier wenigstens, dass du deine scheiß Witze nicht in meiner Gegenwart reißt! Thoren hatte sich kurz nach vorne gebeugt und dabei fast geschrieen.

Das Röhren von Motor und Auspuff wurde leiser, die Fahrt langsamer. Benjamin wechselte auf die rechte Spur und bremste den hinter ihm fahrenden Till aus. Benjamin liebte Autobahnspielchen, Till nicht. Roman sah Tills Auto allmählich auf der linken Spur an ihnen vorbeiziehen. Till musste Höchstgeschwindigkeit fahren.

»Freunde, darf ich euch dieses Prachtstück vorstellen. Schaut doch mal genau hin. Der helle Wahnsinn. Ein Fiat 500, Modell D, Baujahr 1960, Zweizylinder-Reihenmotor, 17,5 PS, Höchstgeschwindigkeit 100 km/h, Luftkühlung, 4-Ganggetriebe, selbsttragende Ganzstahlkarrosserie, Leergewicht 510 Kilogramm. Der hat damals nur 2990 DM gekostet!« hatte Till kurz vor der Abfahrt stolz vorgetragen. Roman hatte zugehört. Aus Höflichkeit. Die anderen nicht.

Der Freundeskreis hatte nur ein Minimum an Gepäck mitnehmen dürfen. Das war die einzige Information, die im Vorfeld an Roman gegangen war. Samuel hatte alle ausgestochen. Er war mit einer Alditüte runter auf die Straße gekommen.

»Eine Unterhose kann man ja auch wenden!«, hatte Bernd höhnisch geblafft.

»Ich will doch nicht heiraten!«, war die knappe Antwort gewesen.

Der Fiat 500 war fast vorbei, als Benjamin beschleunigte, Kopf-an-Kopf-Rennen. Auf beiden Spuren hinter den Fahrzeugen bildeten sich kleinere Staus. Das ging eine Weile weiter. Roman wurde mulmig. Schließlich ließ Benjamin Till auf der Überholspur vorbei. Ein BMW überholte Benjamins Wagen kurz danach. Der Beifahrer hatte den rechten Mittelfinger erhoben. Roman sah weg, vergaß dieses Bild kurz darauf, dachte an Beate, an seine Freunde. Wie sollte er es ihnen erzählen. Sie würden enttäuscht sein. Roman kaute auf der Unterlippe.

Der Fiat blinkte unregelmäßig rechts, nahm die Ausfahrt Linumer Bruch. Es ging in eine scharfe Rechtskurve, bevor das Blau der Aral-Tankstelle ins Blickfeld kam. Der Fiat blinkte rechts, links, zweimal auf beiden Seiten, bevor er an einer Zapfsäule zum Stehen kam.

»Kauf dir einen größeren Tank und gleich eine neue Elektrik mit!«, rief Benjamin zu Till rüber, ließ das Fenster wieder hochfahren und fuhr an den Zapfsäulen Richtung Parkplatz vorbei.

Nach dem Tanken des Fiats standen die Freunde auf dem Rastplatz, die Autos quer über mehreren Parkplatzmarkierungen. Klänge von Kraftwerk und Rammstein aus den Autos vermischten sich.

»Langsam wird es Zeit, ist doch kein Kindergeburtstag hier!«, läutete Bernd das Ritual ein. Mit einem Messer stach er Löcher in sechs Beck’s-Dosen, die er auf dem Pflaster der Parkbucht aufgereiht hatte. Kleine Bierfontänen zischten hervor und versiegten. Ein Mann mit Halbglatze, eine untersetzte Frau und ein Jugendlicher gingen vorbei. Die Halbglatze schüttelte den Kopf. Die Untersetzte zog den Jungen am Ärmel seines übergroßen Trikots der New York Yankees weiter.

»Ihr seid alle viel zu nüchtern, und es ist schon spät am Tag!«, brachte Bernd als Trinkspruch aus. Es war früh an diesem Freitagmorgen.

»Auf Roman!«, rief Benjamin. Die Freunde prosteten Roman zu, rissen die Dosenlaschen auf, stürzten das Bier in einem Zug runter. Roman auch. Schließlich zerquetschten alle die Dosen und warfen sie rücklings über die Schulter. Außer Thoren. Er sammelte die Dosen ein.

Über die Autobahn ging es immer weiter nordwärts durch Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Flaches Land, blühende Felder, blau funkelnde Seen, lichte Wäldchen und Silhouetten von Städten und Dörfern flogen im Sonnenschein vorbei. Roman dämmerte es langsam, die Ostsee rückte näher, war das Ziel. Er ließ sich vom grauen Asphalt gefangen nehmen, beobachtete die weißen Striche der Fahrbahnmarkierungen. Roman fragte sich, wie es wohl war, ein weißer Strich zu sein. Manchmal wünschte er sich weniger Fragen, mehr Antworten, eine einfache Bestimmung, einen festen Platz, einen Hafen. Er riss sich von den Linien los, betrachtete Benjamin., der zur Musik auf das schwarze Lederlenkrad trommelte, Thoren, der weiter in seinem Reclam-Heft las, den Fiat 500, der hinten ihnen fuhr. Roman war dankbar. Er hatte Freunde. Sein letzter Gedanke gehörte Beate, bevor er einnickte.

Roman erwachte mit Genickschmerzen. Der Biergeschmack in seinem Mund war fahl. Der Porsche hielt vor einer roten Baustellenampel. Der Motor brummte leise und gleichmäßig. Benjamin begrüßte Roman mit einem Lächeln. Thoren schlief mit dem aufgeschlagenen ›Reclam‹-Heft auf dem Schoß. Das Lesezeichen lag auf der Bank. Am rechten Straßenrand standen auf einem provisorischen Verkehrschild die Kilometerangaben nach ›Rostock‹ und ›Ribnitz-Damgarten‹. Es waren nur ein paar Kilometer nach ›Rostock‹. Jemand klopfte an die Scheibe der Fahrertür. Es war Till. Er hatte eine Straßenkarte in der Hand. Benjamin ließ das Fenster runter.

»Also Ben, wie ich sehe, müssen wir bevor wir auf die Landstraße kommen noch …«

Die Ampel leuchtete gelb. Benjamin fuhr los. Roman blickte zurück. Till stand mit verschränkten Armen mitten auf der Straße, sah ihnen hinterher.

»Alles klar.« Benjamins Augen glänzten.

Es ging Richtung ›Ribnitz-Damgarten‹, dann weiter nach ›Graal-Müritz‹. Thoren schlief immer noch.

Hübsche Häuser aus rotem Backstein oder mit Reetdächern zogen vorbei, aber auch heruntergekommene. Fenster und Türen waren mit Brettern vernagelt. Nur wenige Menschen waren unterwegs. Meistens alte. Manchmal junge Mütter mit Kindern. Männer und Frauen sahen älter aus als in Berlin Mitte. Mancher Ort wirkte einsam, verlassen. Geschäfte standen leer. Wer hatte hier noch Arbeit?

Benjamin fragte zwei Passanten nach dem Weg. Eine Landstraße. Dörfer. Noch eine Landstraße.

»Wir sind da!«, rief Benjamin und lenkte den Wagen von der Straße auf einen unebenen Weg aus Kies und Sand. Der Kies knirschte unter den breiten Reifen, kleine Steine spritzten hervor, klackten gegen den Wagen. Der Fiat 500 folgte. Die Wagen wirbelten Staub auf. Roman sah ein Schild vor einer Baumgruppe: ›Camping- und Ferienpark Strandtraum 500 Meter‹.

»Ein Campingplatz, ich hasse Zelten!«

»Roman, bleib locker!«, entfuhr es Benjamin und dem erwachten Thoren fast gleichzeitig.

Drei Stunden für einen Campingplatz. So eine Scheiße!, dachte Roman.

5. Juni, 6.30 Uhr - Katharina

»Fahr vorsichtig und pass auf dich auf.«

»Ja, Mama, ich hab es gehört.«

»Aber, Kind, ich meine es doch nur gut.«

»Mama, das mit dem „Gut gemeint“ hatten wir doch schon tausend Mal. Ich bin wirklich schon ein sehr großes Mädchen.«

»Ja, aber … mit den Männern und schon wieder.«

»Hör bitte auf, das ist allein meine Sache.«

»Ich will ja nur …«

»Du, Mama, es klingelt gerade, ich muss aufmachen, die anderen warten auch schon. Danke für den Anruf. Ich melde mich, wenn ich wieder da bin. Ciao.«

»Katharina, pass auf dich auf und fahr bloß vorsichtig.«

»Hallo, Gertrud, komm rein. Die anderen sind alle schon da.«

»Guten Morgen, Kathi. Wir haben uns viel zu lang nicht mehr gesehen.«

»Stimmt. Wie geht es euch beiden?«

»Sie strampelt im Moment ganz doll. Ansonsten geht es uns gut. Ich sehe nur langsam aus wie eine Tonne, komm beim Treppensteigen ins Schwitzen, fresse wie ein Scheunendrescher und nichts passt mehr. Man hat ja vieles vorher gehört oder gelesen, aber wenn man es dann selbst erlebt – na ja, alles in allem ist es schon toll, Mutter zu werden!«

»Du hast nie besser ausgesehen. Du strahlst richtig.«

»Danke dir, das tut gut. Für ein kleines Walross geht es wohl noch.«

»Ach, Gertrud, komm doch erst mal richtig rein und stell die Tasche ab.«

»Danke. Igitt, Paula hat ja immer noch diesen grässlichen Fake von Louis-Vuitton-Tasche. Das geht doch nun wirklich nicht mehr! Was meinst du? Ich muss ihr gleich meine tiefe Missbilligung aussprechen.«

»Ist doch ihre Sache. Lass gut sein. Sie ist doch stolz darauf.«

»Aber damit kann man sich nun wirklich nicht mehr sehen lassen. Außerdem färbt das auf uns ab. Nachher hält man uns alle noch für billige Imitate.«

»Damit kann ich gut leben.«

»Ach, Kathi, du bist einfach die Beste.«

»Wenn du meinst.«

»Verzeih mir meine kleine Lästerei. Mich schüttelt es jedes Mal.«

»Ach, Gertrud.«

»Ich muss noch mal verschwinden. Bevor ich reingehe. Ich muss jetzt ständig. Echt unangenehm und selten ist ein blitzblankes Klo zur Stelle – wie bei meiner hübschen Kathi.«

»Du weißt ja wo.«

»Aber bevor wir mit allen anderen zusammen sind, und die ihre Lauscher aufstellen, musst du mir unbedingt noch sagen, wie es dir geht, Schätzchen.«

»Nach wie vor scheiße. Ich fühl mich so leer. Dann hat eben ausgerechnet noch meine Mutter mit der alten Leier angerufen.«

»Na, dann kommen wir Mädels und das Wochenende ja genau zur richtigen Zeit. Ach, nur nebenbei, hat sich das Arschloch noch mal gemeldet?«

»Seit drei Monaten nicht mehr. Neulich hat er noch ein paar Kleinigkeiten von einem Kumpel abholen lassen, auf die er vorher nie Wert gelegt hat. Die Liste der Dinge hatte er grußlos vorab per E-Mail geschickt. Ich sollte sie schon mal bereitstellen. Das hat echt noch mal richtig wehgetan - und wie geschmacklos ist das denn nach all den Jahren und vor allem nach diesem Abgang? Bei einigen Sachen bin ich mir auch noch ziemlich sicher, dass ich die allein bezahlt hatte.«

»Ach, komm lass dich mal drücken, Süße. Du hast ja ein neues Parfüm, Kathi. Dior?«

»Ja.«

»Hmh, ich liebe Dior! Und beim Friseur warst du auch. Steht dir richtig gut. Abgenommen hast du auch.«

»Ich passe wieder in meine alten Levis.«

»Da bin ich ja fast ein bisschen neidisch. So kugelrund wie ich bin.«

»Ich glaube nicht, dass du mit mir tauschen möchtest.«

»Hmh. Aber wo wir doch schon mal dabei sind, was ist ein eigentlich mit seiner Neuen?«

»Tja, er ist direkt bei mir aus- und bei ihr eingezogen. Das habe ich erst neulich hintenrum mitgekriegt. Angeblich war er ja zu seinem Kumpel gezogen.«

»Mistkerl! Und?«

»Und was?«

»Na, die Neue!«

»Halb so alt wie ich.«

»Nein!«

»Doch.«

»Arschloch!«

»Thomas hat immer gesagt, dass die Zukunft der Männer in Osteuropa liegt.«

»Sie ist doch wohl nicht …«

»Doch.«

»Unglaublich!«

»Ach, was soll ich dazu noch sagen. Das hat alles so unglaublich wehgetan, war so verletzend. Ich bin einfach ausgetauscht worden. Der Schmerz war so groß. Dann kam die Leere. Aber das ist ja auch alles schon eine Weile her.«

»Wo du das gerade ansprichst. Es tut mit Leid, dass ich so wenig für dich da war.«

»Ich verstehe schon. Das Baby.«

»Ja, aber es ist auch keine Entschuldigung für alles. Ich mache es wieder gut.«

»Was soll es. Das Leben geht weiter. Zuletzt war nur noch mein Stolz verletzt, für so ein junges Ding verlassen zu werden. Vielleicht sollte ich es mal mit ’nem Jüngeren versuchen.«

»So’n aufgepumpter Lackaffe.«

»Ja, gemocht habt ihr ihn alle nicht.«

»Er hat es uns aber auch wirklich schwer gemacht.«

»Lass gut sein, Schnee von gestern.«

»Hast du seine neue Ische schon gesehen?«

»Natürlich, sie war Kundin. Er hat sie trainiert.«

»Nein, wie schlecht ist das denn?«

»Auch das ist nicht mehr wichtig.«

»Na ja, der steht bald wieder auf der Straße. Wirst schon sehen.«

»Schwamm drüber. Ich sollte mir eben keine Arschlöcher mehr aussuchen. Wann lerne ich es denn endlich mal? Manchmal denke ich schon, dass meine Mutter Recht hat.«

»Man steckt eben nicht drin, außerdem stehen wir alle irgendwie ein bisschen auf Arschlöcher. Und wie laufen die Geschäfte?«

»Schlecht, wenn es so weitergeht, muss ich Ende des Jahres schließen und sitze wieder im Reisebüro. Thomas will auch noch seine Finanzeinlage zurück. Hab einen netten Brief von seinem Anwalt bekommen.«

»Ach, Süße, jetzt muss ich aber wirklich dringend verschwinden, sonst gibt es noch ein Unglück.«

»Ja, es reicht jetzt auch wirklich. Wir wollen bald los. Scheiße, ich fang echt gleich an zu heulen. Das ist alles ein bisschen viel und dann noch meine Mutter eben … «

»Komm, lass dich noch mal drücken - bleibt es bei deinem Bulli oder nehmen wir auch meinen Cayenne? Dann haben wir mehr Platz, auch für eine riesige, gefakte Tasche.«

»Bulli.«

»Ja! Ostsee, wir kommen! Aber jetzt ruckzuck aufs Klo.«

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